Lindau

Ob mit Bahn oder Bus, Auto oder Motorrad - aus allen Richtungen kommen Menschen an den bayerischen Bodensee, um beliebte Ausflugsorte wie Nonnenhorn, Wasserburg oder Bad Schachen zu besuchen. Die wichtigste und größte Stadt dieses Abschnittes ist Lindau mit seinen rund 25.000 Einwohnern. Liegen seine Stadtteile auf dem Festland, befindet sich die Altstadt komplett auf einer Insel - in Deutschland eine Einmaligkeit. Nicht von ungefähr lässt sich Lindau mit Venedig vergleichen - auch hier gibt es schöne alte Häuser, malerische Gassen und prachtvolle Kirchen.

Blick auf das Münster Sankt Maria und Kirche Sankt Stephan auf der Insel

Geschichte
 
Schon 1719 schrieb Johann Gottfried Gregorii, genannt „Melissantes“ (1685 - 1770), in seinem die Welt beschreibenden Werk „Geographie Specialis“ über Lindau: „Lateinisch Lindavia, eine kaiserliche freie Reichs- und Handelsstadt auf einer Insel am Bodensee, wird durch eine große steinerne Brücke ans feste Land gehängt, und öfters Klein-Venedig genannt. Im 30jährigen Krieg hat sie der schwedische Feldmarschall Wrangel vergeblich belagert. Sie hat mit der Äbtissin zu Lindau lange Jahre wegen der Rechtsprechung über das Territorium, deren sie sich anmaßen wollte, gestritten. Anno 1728 den 15. September sind durch eine Feuersbrunst hier 50 Wohnhäuser, mit der Katholischen Kirche und dem Fürstlichen Stift, eingeäschert worden.“

Lindaus geschäftige Fußgängerzone

Lindau zum Entdecken

Während der Sommersaison bietet die Stadt Führungen durch die Altstadt mit Startpunkt ab der Tourist-Information an. Dabei gelangt der Besucher zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten, erkundet Gässchen und erfährt Näheres zu den Häusern und ihrer Geschichte. Auf dem Programm steht unter anderem die Seepromenade, Hafeneinfahrt mit Löwe und Leuchtturm, Altes Rathaus, Haus zum Cavazzen mit Stadtmuseum, Peterskirche und der Diebsturm. Ein besonderes Highlight ist wohl eine Führung mit dem Nachtwächter. Wer die Stadt allein erkunden will, kann sich von Audio-Guides führen lassen.

Romantische Gasse in der Altstadt

Seit dem 13. Jahrhundert sind die Lindauer auf ihre Barfüßerkirche stolz. Einst gehörte sie zu einem Kloster, das durch die Reformation aufgelöst wurde. Sie weist gotische Elemente auf. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde hier eine Lateinschule untergebracht. Schon im 19. Jahrhundert wurde ein Theaterraum eingerichtet, und 1950 bezog das Lindauer Stadttheater die Kirche. Hier wirkten zahlreiche berühmte Persönlichkeiten. Neben den Schauspielaufführungen gibt es Konzerte, Kabarett und Kleinkunst.

Die Barfüßerkirche

Benachbart zum Lindauer Marktplatz steht das katholische Münster Sankt Maria. Weitere Namen für das Gotteshaus sind Stiftskirche, Marienkirche und Unserer lieben Frau. Die Ursprünge reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Baumeister der heutigen barocken Kirche, die um 1750 entstand, war Johann Caspar Bagnato. Aus seinen Händen stammen auch Schloss Mainau und das Meersburger Neue Schloss. Der Innenraum enthält eine reiche Ausstattung im Stil des Rokoko, goldene Verzierungen, Wandmalereien, Gemälde und eine Mariengrotte.

Innenraum vom Münster Sankt Maria

Nicht nur die Katholiken haben ihre eigene Kirche - Sankt Stephan auf der Insel ist das evangelische Pendant zum Münster. Um 1780 erfolgte eine Umgestaltung im Stil des Spätbarock, Elemente der Spätgotik blieben erhalten. Die Ausstattung des Innenraums entspricht dem Stil des Rokoko. Der Besucher blickt auf helle Seitenfenster und ein Chorgestühl mit farbig leuchtenden Fenstern. In der Kirche Sankt Stephan brennen ein Friedenslicht und eine Gebetskerze.

Sankt Stephan auf der Insel vom Markt aus gesehen

Am Lindauer Marktplatz steht gegenüber den beiden Kirchen das Haus zum Cavazzen. Es wurde nach einem Stadtbrand um 1730 im Stil des Barock neu erbaut und gilt als schönstes Bürgerhaus am Bodensee. Betörend ist es nicht zuletzt wegen seiner alpenländisch anmutenden, bunt bemalten Außenfassade. In dem Gebäude hat heute das Lindauer Stadtmuseum seinen Sitz. Zum Inventar gehören historische Möbel, Gemälde und Skulpturen, Kunsthandwerk. Einen Besuch wert ist das Museum auch wegen der Spielzeug- und Musikinstrumentensammlung.

Marktplatz mit Haus zum Cavazzen

Unweit vom Bahnhof gelangt der Besucher zum westlichen Teil der Lindauer Stadtbefestigung. Eine Sehenswürdigkeit ist hier der Diebsturm, der früher als Gefängnis diente. Das Bauwerk stammt aus dem 14. Jahrhundert und wird auch Malefizturm, Stadtknechtsturm oder Körbler genannt. Seine Besonderheiten sind die zierlichen Erker im Fachwerkstil. Auch die farbigen Dachziegel, ein Ausgucktürmchen und das ihn umrankende Efeu erfreuen das Herz jedes Romantikers. Baulich hängt er mit der Stadtmauer zusammen, die man von hier aus begehen kann.

Direkt neben dem Diebs- oder Malefizturm steht die über 1000 Jahre alte Peterskirche. Es handelt sich um die älteste Kirche der Stadt. Berühmt sind die Wandmalereien der Lindauer Passion von Hans Holbein dem Älteren, die Ende des 15. Jahrhunderts entstanden. Die Peterskirche wurde 1928 zur Kriegergedächtnisstätte geweiht.

Diebsturm mit Peterskirche

Schlendern, stöbern und entspannen - die Maximilianstraße ist die Bummelmeile in der Altstadt von Lindau. Sie wird gesäumt von Häusern der vornehmen Gesellschaft aus dem 16. Jahrhundert. Viele kleine Gassen zweigen von hier ab und geben einen Einblick in die Vergangenheit der Inselstadt. In der Maximilianstraße findet der Besucher Geschäfte für jeden Bedarf sowie Restaurants und Cafés.

Die Maximilianstraße

Im Verlauf von Lindaus Bummelmeile stößt der Besucher auf das Alte Rathaus. Ohne Zweifel ist es eines der bekanntesten Gebäude der Bodenseestadt. Es wurde von 1422 bis 1436 im gotischen Stil erbaut und im 16. Jahrhundert durch Umbauten im Stil der Renaissance ergänzt. Im Erdgeschoss befinden sich die Reichsstädtische Bibliothek mit wertvollen Büchern und dem Archiv. Die farbigen Malereien an der Außenwand sind ein beliebtes Motiv für Fotografen. Sie erinnern unter anderem an den 1496 hier stattgefundenen Reichstag. Die Darstellungen im Erker zeigen die Zehn Gebote.

Prächtig anzuschauen und gern fotografiert: Das Alte Rathaus

Als Wahrzeichen der Stadt Lindau gilt die Hafeneinfahrt mit dem Lindauer Löwen und dem Leuchtturm. Dieser hat eine Höhe von 33 Metern und ist der südlichste Leuchtturm Deutschlands. Um 1850 wurde er erbaut und 1936 elektrifiziert. Seit den Neunzigerjahren läuft der Betrieb automatisch. Heute gehört der Leuchtturm der Abteilung Bodenseeschifffahrt der Deutschen Bahn. Er ist in der Sommersaison geöffnet und bietet dem Besucher eine Ausstellung zu regionaler Fauna und Flora, zum Wetter und der Schifffahrt auf dem See. Darüber hinaus kann die Aussichtsplattform mit See- und Alpenblick begangen werden.

Hafeneinfahrt mit Lindauer Löwe und Leuchtturm

Seit dem 13. Jahrhundert gibt es den 37 Meter hohen Mangturm. Früher diente er als Leuchtturm. An der Mauer des Turmes ist eingraviert: „Dieser Turm der Mangenturm genannt, ward im 17. Jahrhundert erbaut, zu Leuchte, Schutz und Trutz unseres Seehafens: ein kräftig Wahrzeichen der ehemaligen freien Reichsstadt Lindau“. Das Dach wurde 1979 mit alten Ziegeln neu gedeckt. Am Eingang befindet sich eine kleine Wetterstation.

Hafen mit Mangturm

Die Spielbank Lindau befindet sich in einem 2000 eröffneten vierstöckigen Rundbau am Beginn der Inselstadt in einer Grünanlage. Das Gebäude wurde von dem Wiener Architekt Hans Lechner erbaut. Durch die großen Glasflächen hat der Besucher vom Obergeschoss aus eine Rundumsicht auf den Bodensee und die Alpenkette. In diesem Gebäude gibt es neben der Spielbank noch ein Restaurant und Konzerte, Kabarett und Kleinkunst.

Spielbank Lindau

Schnell übersehen, aber dennoch reizvoll ist der Kleine See. Dabei handelt es sich um den Teil des Bodensees, durch den die Insel mit der Altstadt Lindau vom Festland getrennt ist, wo sich der Stadtteil Aeschach befindet. Er nimmt eine Fläche von etwa 18 Hektar ein und ist im Osten durch die 150 Meter lange Seebrücke und im Westen durch den über 400 Meter langen Eisenbahndamm begrenzt. Entlang des Ufers finden sich zu beiden Seiten Grünanlagen. Auf der Inselseite betreibt der Wassersportverein eine Anlegestelle. Darüber hinaus werden dort auch Tretboote vermietet, mit denen man den Kleinen See erkunden kann. Großparkplätze unweit des Ufers befinden sich auf der Insel entlang der Zwanzigerstraße und nahe der Seebrücke in Aeschach.

Am Kleinen See

Der Alte Lindauer Friedhof befindet sich an einer Straßengabel im Stadtteil Aeschach. Seit 1510 in Benutzung, erfüllte er seinen Zweck für gute 400 Jahre. 1940 wurde er in einen Park umgewandelt und steht heute unter Denkmalschutz. Zu den Besonderheiten zählen etwa 100 Grabhäuschen aus Renaissance, Barock, Neoklassizismus und Jugendstil. Darüber hinaus gibt es hier die gotische Kröllkapelle und die katholische Ulrichskapelle, wo im Sommer Konzerte stattfinden. Ein Förderverein kümmert sich um die Erhaltung der Anlage.

Grabplatten auf dem Alten Lindauer Friedhof