Koper

Wer weiß schon, dass Slowenien eine Adriaküste hat ? Es ist ein knapp fünfzig Kilometer langer Abschnitt am Golf von Triest. Unweit der Grenze zu Italien, aber auch nicht weit von Kroatien, befindet sich die wichtige Hafenstadt Koper. Sie hat rund 25.000 Einwohner, mit dem Umland nochmal soviele. Auf Italienisch heißt sie Capodistria. Ihre Geschichte war über Jahrhunderte von den bedeutenden Mächten Europas geprägt.

Jachthafen nördlich der Altstadt

Die Venezianer und Österreich-Ungarn spielten eine große Rolle, und bis zum Zweiten Weltkrieg war die Mehrheit der Bevölkerung italienischsprachig. Das nur zwanzig Kilometer entfernte Triest hatte Koper natürlich einiges voraus. Es war als „Wien an der Adria“ bekannt und Hauptstadt des Österreichischen Küstenlandes. Hier konnten die Habsburger ihre Träume verwirklichen, wie man am Beispiel des berühmten Schloss Miramare deutlich sieht. Auch Koper profitierte von der Nähe der pulsierenden Metropole.

Abendstimmung in den Gassen

Mit dem Einzug des Kommunismus in Osteuropa wurde alles anders. Triest befand sich in einer Randlage, Koper wurde von allen Verbindungen abgehängt, die Bevölkerung wechselte. Nach dem Zerfall des Eisernen Vorhangs stellten die Kriege auf dem Balkan ein weiteres Problem dar. Doch Slowenien war ein Vorbild unter den Staaten des ehemaligen Jugoslawien. Und mit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahre 2004 verbesserte sich die Lebensqualität enorm.

Verdijeva ulica

Durch das Schengen-Abkommen fielen 2007 die Grenzkontrollen weg, und so kann man heute ungehindert von allen Randlagen Triests direkt in die Dörfer rund um Koper und weiter in die Hafenstadt fahren. Scheinbar wird dies gerne genutzt, Dienstleistungen wie der Haarschnitt beim Frisör sind noch etwas billiger. Tabakwaren, Alkoholika, aber auch Lebensmittel des täglichen Bedarfs, die es in Italien nicht gibt, finden guten Absatz. Die Menschen auf beiden Seiten können wieder aufeinander zugehen, eine Region kann wieder zusammenwachsen.

Am Ukmarjev-Platz

Koper wird über die italienische Stadt Triest oder über die slowenische Autobahn 1 aus Richtung Graz / Maribor / Ljubljana erreicht. Die Gegend ist sehr hügelig und locker bebaut. Es finden sich weitläufige Anwesen mit hübschen Häusern, Obstbäumen und Feldern zwischendrin. Bei einer Fahrt durch die Umgebung könnte man meinen, man sei noch in Italien. An den größeren Straßen gibt es auch Dörfer, die aber nicht viel zu bieten haben, außer dass man in den kleinen Läden dies und das günstiger als in Italien bzw. Deutschland oder Österreich bekommt. Diese ansehnliche Umgebung verliert sich dann in einem bewaldeten Bergland mit kurvigen Straßen.

Altstadtgasse

Nicht zu vergessen, Slowenien ist ein sehr alpines Land, wer würde da solch ein mediterranes Gebiet vermuten ? Schon von Weitem sieht man sie in der Ebene stehen, die großen Schiffskräne, die sich wie Hochhäuser vor dem glitzernden Wasser des Mittelmeeres aufbauen. Das macht neugierig auf mehr. Koper besteht im Grunde aus einer Altstadt, die komplett von größeren Industrieansiedlungen und dem Hafen umgeben ist. Nur an den Hängen ringsherum gibt es Wohngebiete, die sich zum Mittelmeer hin ausdehnen.

Wohngebiet an den südlichen Hängen

Die Anfahrt zur Altstadt ist nicht schwer. Man verlässt die vierspurige Istrska cesta und fährt beim zweiten oder dritten Kreisverkehr links. Am Ende dieser Straßen ist dann ein sehr großer Parkplatz. Alle Straßen sind gut ausgebaut und beschildert. Gleich hinter dem Parkplatz beginnt eine Promenade, auf der die Bewohner Kopers gerne entlangschlendern. Dort führen kleine Gassen zu den alten Häusern, die sich bis heute ihren Charme bewahrt haben. Hier und da geht mal ein Fenster auf und ein Slowene schaut gemütlich heraus. In dieser Stadt herrscht keine Hektik. Die Leute stören sich nicht an den Touristen, aber kennen ihren eigenen Weg.

Gortanov-Platz

Die Čevljarska ulica ist eine Hauptschneise ins Innere der Stadt. An ihrem Ende liegt der Tito-Platz, der sich durch eine Reihe wichtiger Sehenswürdigkeiten auszeichnet. Von der östlichen Seite her kommend, befinden sich die Parkplätze an der Ankaranska cesta. Man läuft über die Cankarjeva ulica zum Tito-Platz. Die Hauptstraßen der Altstadt sind wie bei uns die typischen Orte zum Bummeln und für Vergnügungen. Es gibt Geschäfte für Waren aller Art, Boutiquen, Imbissstuben und Cafés. Wirklich romantisch wird es in den zahlreichen verwinkelten Gässchen, die von den Einkaufsstraßen abzweigen.

Kathedrale Mariä Himmelfahrt

Am Tito-Platz gibt es mehrere herausragende Gebäude: Den Prätorenpalast im venezianischen Stil aus dem 13. Jahrhundert, eine gotische Stadtloggia aus dem 15. Jahrhundert und die Kathedrale Mariä Himmelfahrt mit einem begehbaren Aussichtsturm. Gegenüber stehen das Zeughaus und die Neue Herberge, die heute der Universität Primorska zur Verfügung stehen. Im Untergeschoss der Loggia befindet sich ein Café, wo es sich mit einem Blick auf den lebendigen Platz wunderschön sitzen lässt.

Tito-Platz mit Zeughaus und Stadtloggia

Über die Verdijeva ulica geht es nun geradeaus zum Belveder, einer baumbestandenen Hochterrasse mit großartigem Panorama auf den Containerhafen. Hier kann man die großen Schiffe sehen, die bald wieder ablegen und ihr Frachtgut in alle Welt bringen. Auf der anderen Seite grüßt der Jachthafen mit deutlich kleineren Exemplaren. Geht man in seiner Richtung noch ein Stück das Belveder entlang, kommt man gleich zum Palast Belgramoni-Tacco, einem barocken Anwesen aus dem 17. Jahrhundert. Es lohnt sich, mal ein Päuschen einzulegen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Koper ist nicht weltberühmt, hat aber allerhand zu bieten. Der Hafen ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für ganz Slowenien.

Containerhafen

Deutsche mag es verwundern, in Slowenien auf eine wörtlich bezeichnete „Sparkasse“ zu treffen. Aber das Land ist heute sehr offen. Verlässt man die Stadt wieder, findet man am südöstlichen Rand in der Nähe der Ankaranska cesta die großen Einkaufsmärkte. Für Touristen kann es sich lohnen, dort einen Blick reinzuwerfen. Die Auswahl ist wirklich hervorragend und entspricht einem gehobenen Niveau. Die großen Discounter und Markennamen aus dem deutschsprachigen Raum haben sich hier angesiedelt. Im Hofer gibt es Lebensmittel und Backwaren (zum Beispiel Mohnbrötchen) wie daheim. Und im Einkaufszentrum auf der anderen Straßenseite hat man das ultimative Frischeangebot und kann in den einzelnen Geschäften noch Mitbringsel für die Familie kaufen.

Modernes Koper

Zur Fahrweise kann man wohl sagen, dass es in Koper etwas ruhiger zugeht als im benachbarten Italien. Es gelten andere Höchstgeschwindigkeiten und Verkehrsregeln als bei uns. Trotzdem ist man am Mittelmeer, und man sollte sich beim Überqueren der Straße nicht unbedingt darauf verlassen, dass die Fahrzeuge anhalten.