Portugal - das Land, die Leute und seine Geschichte

Das Land am Atlantischen Ozean weist in seiner Entwicklung eine abwechslungsreiche Geschichte auf, die mit der restlichen Iberischen Halbinsel einiges gemeinsam hat.

Santuário de Fátima

Vorgeschichte

Ab 2000 v. Chr. wanderten die nordafrikanischen Iberer ein. Später siedelten sich die Phönizier an, deren Herkunft im nördlichen Israel und südlichem Libanon lag, und setzten an der Mündung des Tejo den Grundstein für das spätere Lissabon. Griechen gründeten zahlreiche Kolonien, zeitgleich wanderten auf der Iberischen Halbinsel Kelten ein. Die Vermischung der Kelten und der ursprünglichen Bevölkerung führte zur Bildung der Keltiberer. Hiervon sonderte sich der Stamm der Lusitanier ab und wurde im Westen sesshaft. Von ihnen kommt der römische Name Portugals. Später errichteten die Karthager Stützpunkte in Portugal.

Ponta da Piedade bei Lagos

Um Christi Geburt bis Staatsgründung

Lusitania wurde von Cäsars Truppen befriedet und blieb bis zur Völkerwanderungszeit rund 500 Jahre römisch. Es umfasste das heutige Portugal und Teile des östlich angrenzenden Spaniens. Ab 400 n. Chr. besiedelten eine Reihe germanischer Stämme das Land, wie die Sueben, die sich in Nordwestspanien und Nordportugal lange hielten. Auch Westgoten und Vandalen gründeten Königreiche, und von letzteren leitet sich der Name der spanischen Nachbarprovinz (V)Andalusien ab.

In Silves stehen die Kathedrale und eine maurische Burg dicht beieinander

Mit der Eroberung durch die Mauren im Jahre 711 wurde das Kalifat von Cordoba gebildet, zu dem auch Portugal gehörte. Die Rückeroberung, örtlich Reconquista genannt, begann im Zuge der Einnahme Coimbras durch König Fernando I. von Kastilien und Léon im Jahre 1064. Diese Grafschaft erhielt den Namen Portucale, der später auf den heutigen Staat ausgedehnt wurde. Der erste portugiesische König wurde Ritter Heinrich von Burgund. 1250 war die Reconquista mit der Eroberung der Algarve abgeschlossen. In Folge verlegte man die Hauptstadt von Coimbra nach Lissabon. So wie die Landesgrenzen damals gezogen wurden, sind sie, bis auf kleine Abweichungen, noch heute. Portugal ist daher einer der ältesten Staaten der Welt.

Fischkutter vor dem Forte de São João do Arade

Seemacht und Kolonialzeit

Die guten wirtschaftlichen Bedingungen und die gesicherte Existenz des Landes setzten den Grundstein für Portugal als spätere Kolonialmacht. Heinrich der Seefahrer begründete eine Schule für Weltumsegler in Sagres und organisierte von dort aus seine Entdeckungsreisen. So gelangte man nach Madeira, zu den Azoren, den Kapverdischen Inseln und zum Senegal. Später kamen Schiffsladungen mit Sklaven in Europa an, wobei Lagos an der Algarve eine wichtige Rolle im Menschenhandel einnahm. Vasco da Gama entdeckte schließlich einen Seeweg nach Kalkutta, und so wurden hier Niederlassungen gegründet. Mit der Entdeckung Brasiliens um 1500 baute Portugal seine Macht wesentlich aus, christianisierte die dortige Bevölkerung und siedelte eigene Leute an, die große Vorkommen an Edelmetallen fanden und das Mutterland reich und berühmt machten. Nach einer großen Zeit erklärte sich Brasilien 1822 für unabhängig.

Wilder Atlantik bei Praia da Rocha

Das moderne Portugal

1910 wurde der König entmachtet und Portugal zur Republik. 1926 kam das Militär durch einen Putsch an die Macht, wo mit António de Oliveira Salazar bis 1968 ein faschistischer Herrscher das Land praktisch allein regierte. Nach der Neutralität im Zweiten Weltkrieg wurde Portugal 1949 Mitglied der NATO. 1961 brach ein Kolonialkrieg aus. Salazars Nachfolger, Marcello Caetano, regierte das Land ähnlich diktatorisch, bis es 1974 zur "Nelkenrevolution" und damit zum Ende der Diktatur kam. Es folgte die Unabhängigkeit aller Kolonien bis auf Macao. Seit 1986 ist Portugal Mitglied der EG. 1998 fand in Lissabon die Weltausstellung EXPO statt. 1999 verabschiedete sich Macao von Portugal und fiel an China. 2004 wurde der Portugiese Barroso zum Präsidenten der Kommission der Europäischen Union ernannt.