Serra da Estrela

Ein Reisebericht

Mein Wochenende im "Stern-Gebirge", in der Nähe von Covilha, wo es mit fast 2000 Metern die höchsten Erhebungen von ganz Portugal gibt. Hier fällt im Winter gerne mal Schnee und es wird auch Ski gefahren.


An einem schönen Donnerstagmorgen Ende Oktober startete ich mit zwei Bekannten von Lagos aus zu meinem Wochenende in die Serra de Estrela. Die Fahrt führte uns über die alte römische Stadt Evora, in der wir Pause machten und die Gelegenheit zu einem Stadtrundgang nutzten, über sechs Stunden in das Herz der Serra nach Covilha.

Wir hatten von einer portugiesischen Bekannten eine Wohnung in deren Haus zur Nutzung überlassen bekommen, die wir nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Einkaufszentrum abends ansteuerten. Wir hatten noch vor, portugiesische Freunde meiner Bekannten zu besuchen, die uns an diesem Abend erwarteten und gekocht hatten.

Sie wohnten in einem modernen Wohnblock nicht weit vom Zentrum und ich kannte sie nicht, aber die Familie empfing auch mich sehr gastfreundlich und ich konnte mich umsehen, solange noch gekocht wurde. Der Ausblick von der Wohnung war toll, abends eine Rundschau über Dächer von Covilha, ich glaube, es war die oberste Wohnung in diesem Haus. Nach einem wirklich netten Abend verabschiedeten wir uns und fuhren zu unserer Behausung am anderen Stadtrand.

Am nächsten Tag regnete es, wir ließen es uns dennoch nicht nehmen, wegzufahren. Meine Bekannten wollten mir unbedingt einmal die Serra zeigen, wo sie ohne mich schon viele Male zuvor gewesen waren und wo eine der Frauen auch schon ein Wochenende mit Besuch gecampt hatte. Wir unternahmen eine tolle Wanderung durch den Wald, wo auch dieses schöne Foto entstand.

Beo do Inferno, ein wilder Bachlauf

Nach einem guten Fußmarsch und wieder frisch setzten wir uns in das Auto und fuhren über enge Gebirgsstraßen in das Dorf, wo eine der Frauen geboren war. Ich sah dabei zum ersten Mal die schrecklichen Folgen der Waldbrände, die jedes Jahr über Portugal wüten und Unmengen an wertvollem natürlichem Waldbestand vernichten.

In dem Dorf erkannten viele Maria noch, aber es waren auch viel Jüngere auf der Straße, was mich bei einem so entlegenen kleinen "Nest" doch überraschte. Sie deutete auf der Durchfahrt an, wo sie früher gewohnt hatte und schwelgte in Erinnerungen. Nun hatte sie ihre Heimat ja 500 Kilometer weiter südlich an der Algarve.

Wir verließen das Dorf Richtung Covilha, wo wir ein großes Shoppingcenter am Stadtrand ansteuerten und etwas einkaufen gingen. Darin befanden sich alle möglichen Geschäfte, wo es einfach alles zu kaufen gab. Es war auch ein Geschäft mit Möbeln und Geschenkartikeln vorhanden, wo ich etwas stöberte und was mich sehr interessierte, weil es mich irgendwie an Deutschland erinnerte.

Die vielen Menschen, die ich in dem Shoppingcenter sah, waren ganz anders als manche Portugiesen, die ich bisher an der Algarve kennengelernt hatte. Die Männer nicht so machohaft, die Frauen natürlicher, und es umgab sie eine Aura, die viel aufgeschlossener wirkte.

Samstags standen wir gegen neun Uhr auf, es regnete, aber wir entschlossen uns dennoch, auf den Markt zu gehen und dann noch in die Serra nahe Covilha zu fahren. In der Markthalle war ein buntes Treiben, ich war überwältigt von den Menschen, die so völlig anders waren als die touristengewohnten Algarvios. Wir kauften neben Gemüse und Obst noch eine ganze Tüte Kekse vom Bäckerstand und ließen es uns gut gehen. Anschließend besuchten wir ein typisches Stadtcafé, wo meine Begleiterinnen ebenfalls Bekannte hatten und lange mit ihnen redeten, während ich meinen Kaffee schlürfte und etwas bedauerte, dass ich von der Unterhaltung nichts verstehen konnte.

Ich bin noch nie über so viele Serpentinen gefahren, wie auf der Fahrt anschließend auf den Berg über Covilha. Schon mitten in der Stadt ging es häufig in die Kurven. Ich konnte nur staunen über die Leute, die hier wohnen und jeden Tag möglicherweise noch zu Fuß diese Strecken zurücklegen. Die Stadt zieht sich bis weit nach oben hoch, schmiegt sich an die Berghänge, und als wir dann das letzte Haus erreichten, umhüllte uns ein dichter Nebel, wo man keine zwanzig Meter weit sehen konnte.

Zum Glück kam uns das einzige Auto, dem wir begegneten, mit angemessener Geschwindigkeit entgegen, aber es war schon eng. Man sah jede Menge Ruinen von Häusern, auch eine etwas größere, was ursprünglich ein Hotel gewesen sein könnte. Das eigentliche Hotel lag weiter oben, mitten in den Bergen über Covilha. Dort machten wir einen Halt und gingen hinein, aber wir tranken hier keinen Kaffee, weil außer uns kein Mensch dort war. Alles wirkte wie ein Geisterhaus im Nebel. Also fuhren wir weiter zum Gipfel, stellten das Auto ab und liefen eine Strecke über den Grat. Ein Sendemast stand hier oben, aber sonst gar nichts. Rechts von mir ging es den Abhang hinunter. Man konnte in ein enges Tal sehen, das sich in Nebel hüllte. Es war kalt und man spürte dass der Winter nicht fern war. Wir gingen zurück zum Auto und machten uns schnell zurück nach Hause ins Warme.

Am Abend hielten wir uns wieder bei unseren portugiesischen Freunden auf, wo es -oh Wunder- eine kleine Auswahl an deutschem Fernsehen gab und ich einen Teil des Samstagabendprogrammes verfolgen konnte. Wir verabredeten uns mit der Familie für den nächsten Tag auf einen Ausflug und nahmen auf der Rückfahrt den ältesten Sohn noch ein Stück mit.

Der sonntägliche Ausflug führte uns zum Schloß Sabugal in der Nähe von Guarda. Wir trafen uns morgens in einem Café an einer Durchfahrtsstraße und brachen dann auf zu einer Fahrt über kleinere Landsträßchen und eine schöne Gegend wiederum gen Norden. Schloss Sabugal, ein historisches Gemäuer, überaus geeignet zum Anschauen. Und hier kamen mir auch die ersten ausländischen Touristen, Spanier, entgegen.

Schloss Sabugal

Am späten Mittag kehrten wir dann in einem beschaulichen Straßenrestaurant ein. Es war hier, mitten in der Serra, nicht allzu viel los und der Besitzer freute sich über unsere große Gruppe. Es gab die typischen Speisen, gut und günstig. Wir waren nach dem Essen so voll, dass wir selbst später beim Abendessen, zu dem wir nochmals zu der Familie gingen, kaum etwas hereinbrachten.

Dabei war es unser Abschiedsessen, denn schon am nächsten Tag sollte es wieder in die "Heimat" nach Lagos gehen. Wir blieben auch nicht mehr solange wie in den vorherigen Tagen, sondern verabschiedeten uns frühzeitig. Und die Großzügigkeit der Gastfamilie überraschte mich ein weiteres Mal, als mir die Mutter des Hauses noch selbstgebackenen Kuchen mit auf den Weg geben wollte.

Nach einem ereignisreichen Wochenende packten wir an dem Abend unsere Sachen ein. Am nächsten Morgen ließen wir es uns aber nicht nehmen, auszuschlafen und frühstückten noch in aller Ruhe. So ging es dann wieder zurück, und ich war an diesem Wochenende in einem mir bis dato völlig unbekannten Teil Europas, habe nette Menschen kennen gelernt und wahre Gastfreundschaft erlebt.