Werdau

Das Erzgebirgsbecken, der Rand des Vogtlandes und der Werdauer-Greizer Wald - in diese Landschaft ist die Stadt Werdau mit ihren rund 23.000 Einwohnern eingebettet. Die Gegend wird durch ihre ausgedehnten Felder, viel Wald und kleinere Ansiedlungen geprägt. Und dennoch ist die Kreisstadt Zwickau mit einer guten Infrastruktur nur zwölf Kilometer entfernt. Zudem lassen sich überall schöne Wanderungen gestalten, und bekannt ist auch der Nachbarort Fraureuth wegen des hier bis 1926 hergestellten Porzellans, dem sich in Werdau das Stadtmuseum widmet. Über Jahrhunderte haben die Tuchmacherei und die Textilindustrie das Leben der Bewohner bestimmt.

Blick auf Werdau vom Turm der Marienkirche

Spaziergang vom Bahnhof zum Marktplatz 

Der Bahnhof liegt am südlichen Rand Werdaus gegenüber dem Stadtteil Leubnitz. Da er an die Strecke Leipzig-Zwickau-Hof angebunden ist, eignet er sich gut für den Start zu einer Stadtbesichtigung. Von hier aus ist der Marktplatz in etwa 20 Minuten Fußweg erreichbar. Es geht die Bahnhofstraße hinunter bis in die Plauensche Straße. Hier befinden sich schon einige Häuser aus der Gründerzeit. Weiter läuft man bis zur August-Bebel-Straße, die direkt in die Altstadt führt. An einem mit kunstvollen Motiven verzierten Eckhaus kann man die Jahreszahl 1892 lesen. Dort fängt auch schon der Bereich mit seinen kleinen Geschäften an, in dem neben ganz altem Gebäudebestand auch neuere Architektur zu finden ist.

Bürgerhäuser am Marktplatz

Historische Bürgerhäuser und ein prächtiges Rathaus

So blickt man die Straße entlang und sieht den Turm des Rathauses von 1911, bei dessen Einweihung sogar der sächsische König anwesend war. Am Beginn des Marktplatzes gibt es einen Hinweis auf den Standort des Oberen Torturms, der 1835 abgebrochen wurde. Der Marktplatz selbst zeichnet sich durch seine großzügige Anlage und die historischen Bürgerhäuser aus. Der Gebäudebestand Werdaus stammt größtenteils aus der Zeit nach dem Stadtbrand von 1756. Die Werdauer benutzen diesen Platz mit Freude, um sich auf den Wochenmärkten mit frischen Waren zu versorgen oder um Feste zu veranstalten. Beherrschend ist natürlich das Rathaus, was wegen seiner verzierten Erker, Gauben, dem blumengeschmückten Balkon und Fensterpartien eine hervorragende Sehenswürdigkeit ist. In seinen Räumen finden auch Konzerte statt. Vor ihm befindet sich ein moderner Brunnen mit Sitzgelegenheit und Bäume sind gepflanzt.

Das Rathaus wurde 1911 erbaut

Rund um die Marienkirche

Durch eine kleine Gasse gelangt man zum Pfarrhaus in der Burgstraße. Daneben steht die evangelisch-lutherische Marienkirche von 1760. Wenn das Pfarramt geöffnet ist, kann man dort nach dem Einlass in die Kirche fragen, und auch der Aufstieg zum Turm ist möglich. Über viele Treppenstufen geht es hinauf, und von dem Turmzimmer hat man einen Ausblick über Werdaus Innenstadt und die umgebenden grünen Hügel. Auf der Spitze befindet sich ein vergoldetes Kreuz. Auf der Rückseite des Kirchplatzes steht ein Denkmal, das die Partnerschaft von Werdau mit Kempen im Kreis Viersen und Röthenbach an der Pegnitz symbolisiert. Daneben gibt es auch noch einen alten Ziehbrunnen. Der Platz ist mit verschieden farbigen Pflastersteinen und Motiven gestaltet. Nun läuft man am Schulgraben weiter und anschließend am Brühl, der sich mit der parallel gelegenen Uferstraße direkt an der Pleiße befindet. Hier lässt sich von einer der Brücken der ringsum grün bewachsene Flusslauf betrachten, und mit einem Blick zurück sieht man nochmals den Marienkirchturm.

Die evangelische Marienkirche

Den Berg hinauf zum Friedhof

Durch die Marktgasse geht es nun wieder zum in Sichtweite liegenden Rathaus zurück. Auf der Rückseite kann man in der Burgstraße noch einen alten Steinbrunnen sehen. Der Gedächtnisplatz ist eine grüne Stadtanlage mit einem sehenswerten Gefallenendenkmal. Hier ist die Altstadt schon zu Ende, und es grenzen Gebäude aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende und weiter oben auch Mietblocks im DDR-Stil an. Nichts desto trotz lohnt es sich, das Zentrum Werdaus zu verlassen und die Brüderstraße ein gutes Stück hinaufzulaufen. Ganz oben angekommen, wird man nicht nur mit einem großartigen Panorama belohnt, sondern kann auch einen der schönsten Friedhöfe der Umgebung besichtigen. Er wurde 1906 eingeweiht und verfügt über eine Kapelle in Ziegelbauarchitektur mit Rundkuppel, auf der sich ein mehrere Meter hohes Kupferkreuz befindet. Auf dem blumengeschmückten Friedhof wachsen etwa 85 verschiedene Baumarten. Zudem gibt es hier zahlreiche Gräber wohlhabender Familien und Industrieller, die sich nicht selten mit Statuen, Säulen, Steinkreuzen und kunstvollen Bildhauerarbeiten ein Denkmal gesetzt haben.

Ansicht der Kapelle auf dem Werdauer Friedhof

Ein Hotel mit ganz eigenem Charme

In der Nähe des Bahnhofs befindet sich mit dem Hotel Katharinenhof eine gute Übernachtungsmöglichkeit mit 18 Zimmern und Seminarräumen. Es handelt sich um eine Fabrikantenvilla aus dem Jugendstil mit historischer Ausstattung und einem seltenen Glasperlenfenster, das aufgrund seiner Einmaligkeit für sich schon eine Sehenswürdigkeit darstellt. Dienstags oder nach Voranmeldung steht dort auch die Werdauer Genealogie-Bibliothek zur Verfügung, die aus der Sammlung des Ahnenforschers Dr. Alfred Lindner besteht. Jeder interessierte Besucher kann hier genealogische Literatur, Ahnenlisten, Chroniken, Adressbücher und vieles mehr einsehen. 

Die Geschichte von Werdau und Umgebung

In der Holzstraße liegt unweit des Bahnhofes auch das bekannte Stadt- und Dampfmaschinenmuseum Werdau. Es hat sich die Dokumentation der Stadt- und Industriegeschichte ab 1300 zur Aufgabe gemacht und beherbergt die deutschlandweit größte Sammlung von Fraureuth-Porzellan. Im Garten fährt im Sommer eine Museumsbahn und eine Dampfmaschine wird der Öffentlichkeit vorgeführt. Darüber hinaus gibt es laufend Sonderausstellungen und Veranstaltungen.